Abschied gestalten

Ist es das Ende oder der Anfang

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Es passiert wohl in jeder Pfarrgemeinde: Ministrantinnen und Ministranten besuchen die Gruppenstunden nicht mehr oder kommen ihrem liturgischen Dienst immer seltener nach. Sie „schleichen sich aus“. Die Verantwortlichen fragen sich oft: Ist etwas vorgefallen? Haben wir etwas falsch gemacht? Warum kommt sie oder er nicht auf mich zu?

Solche Situationen hinterlassen oft einen bitteren oder faden Beigeschmack bei den Jugendlichen, den Eltern und den Hauptamtlichen. Doch diese Abschiede und Übergänge bewusst zu gestalten, kann helfen, die Situation positiv zu wenden.

Materialien für den Abschied

Abschied gestalten

Ministrantinnen und Ministranten werden im Gottesdienst aufgenommen. Sie sollten auch im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet werden.

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Sa beim Abschied ...: Spiele, Materialien und Methoden für Schlussphasen in der Gruppenarbeit

Das Buch gibt methodische Anregungen zur Gestaltung der Schlussphasen mit Gruppen. Zur pädagogisch sinnvollen Gestaltung dieser Phase wurden in diesem Buch Spiele und Methoden zusammengestellt, die sofort in der Gruppenarbeit eingesetzt werden können. Leider ist dieses Buch nicht mehr im regulären Handel zu beziehen. Das Buch (ISBN 3-7800-5812-X) kann aber im Antiquariat bestellt oder an der Fachstelle Ministrantenpastoral ausgeliehen werden.

Ministrantenurkunde! Ihr seid das Licht der Welt.

 

Diese Urkunde kann feierlich bei einem Gottesdienst Ministrantinnen und Ministranten überreicht oder bei Übergangssituationen verliehen werden. Wertschätzung ist wichtig und kann so nochmals verdeutlicht werden. Die Urkunde ist mit Goldschnitt und farbigem Bild ansprechend gestaltet. Der Text ist vorgedruckt. Es können die "Dienstjahre", der Name der Pfarrei und der Name des Pfarrers eingetragen werden.
Sie können die Urkunden für 1,5 Euro im zentralen Sekretariat bestellen.

Ministrantinnen und Ministranten die 15 Jahre ihren Dienst verrichtet haben, bekommen eine Ehrung durch unseren Bischof Rudolf. Diese Ehrung kann über die Fachstelle Ministrantenpastoral beantragt werden. Hier kommen Sie zur E-Mail-Adresse. 

Hierfür sind

  • Name,
  • Vorname,
  • Pfarrei und das
  • Dienstalter

der Ministranten, des Ministranten notwendig. Die Ehrung kann vom Pfarrer oder pastoralen Mitarbeiterin, Mitarbeiter beantragt werden. Die Ehrung wird an das jeweilige Pfarramt versendet.

Sehr geehrter Herr Dr. Schrüfer, ich habe erfahren dürfen, dass Ihnen das Gespräch mit Ministrantinnen und Ministranten, die aufhören wollen, wichtig ist. Ein Ministrant erzählte von so einem Gespräch. Er wollte Ihnen nach dem Gottesdienst sagen, dass er aufhören möchte zu ministrieren. Sie haben ihn zu einem Gespräch zu sich ins Büro eingeladen. Der Junge hat diesen
Dialog als sehr bereichernd und motivierend erlebt. Wieso ist Ihnen dieses Gespräch so wichtig?

Es gibt in der Predigtlehre die Theorie, man muss in eine Predigt hineinkommen, aber man
muss aus der Predigt auch wieder herauskommen. Die Anfangssituationen wie auch die Endsituation die zu bearbeiten sind, halte ich für sehr wichtig.

Hier klicken, um das Interview zu lesen.

Die Realität hinter den Zahlen

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Ministranten ihren Dienst bis ins hohe Alter verrichten würden. Die Realität sieht jedoch anders aus: Ausbildung, Studium, der Sportverein oder die erste Liebe fordern die Mädchen und Jungen und lassen oft keinen Raum mehr für die Aktivitäten der Ministrantengruppen. Der Freundeskreis ändert sich, Interessen verschieben sich und die Pfarrgruppe macht vielleicht keine Freude mehr. In einigen Gemeinden wird das Ministrieren gar mit „Kinderarbeit“ gleichgesetzt; es ist schlicht nicht mehr „schick“, im Altarraum zu stehen.

In diesen Fällen sind die Jugendlichen schlicht herausgewachsen. Wenn Eltern jedoch darauf drängen, dass die Dienste unbedingt erfüllt werden müssen, entstehen oft Konflikte am Sonntagmorgen. Diskussionen über Verantwortung und Pflicht führen zu Streit, und die Stimmung im Gottesdienst ist für alle Beteiligten – Eltern, Kinder und Priester – belastet. Ein offener Dialog wäre hier notwendig und wünschenswert.

Warum das „Aufhören“ so schwerfällt

Oft ist ein erster Schritt seitens der Haupt- oder Ehrenamtsleiter auf die Jugendlichen zu notwendig. Viele müssen erst lernen, sich von Gruppen zu verabschieden. Die Worte *„Ich möchte nicht mehr ministrieren!“* fallen nicht leicht. Man möchte den Pfarrer, die Gemeindereferentin oder die Gruppenleiter nicht verärgern; man ist dankbar für die Erlebnisse der letzten Jahre.

Die Jugendlichen fragen sich: *„Wie reagieren die Personen? Nehmen sie es persönlich? Wann ist der rechte Augenblick?“* Oft ist es keine Entscheidung gegen den Dienst, sondern eine Entscheidung für etwas anderes. Da die Eucharistie für uns Hauptamtlichen das wichtigste Gut ist, fällt es den Jugendlichen schwer, zu sagen, dass es für sie momentan etwas „Wichtigeres“ gibt.

Der Weg zu einem wertschätzenden Abschied

Hier brauchen junge Menschen die Hilfe von Erwachsenen, die selbst schon Abschiede erlebt haben. Es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, wenn ein Jugendlicher den Mut aufbringt, nach dem Gottesdienst zum Pfarrer zu gehen und sich abzumelden. Dies sollte in einem geschützten Rahmen geschehen, in dem der Jugendliche spürt, dass seine Entscheidung respektiert wird.

Dabei sollten wir uns nicht mit einer SMS, einer WhatsApp-Nachricht oder einer E-Mail zufriedengeben. Auch die Nachricht über Dritte (*„Ich soll ausrichten, dass…“*) ist keine passende Form für einen Abschied. In solchen Fällen sollten wir als Seelsorger aktiv werden und das persönliche Gespräch suchen, damit die Abschiedsphase wirklich abgeschlossen werden kann.

Die Perspektive der Verantwortlichen

Auch für uns als Verantwortliche ist der Abschied schwer. Wir haben viel Zeit mit den Jugendlichen verbracht, durften Erstkommunionen und Firmungen miterleben und gemeinsam lachen. Jeder Austritt schmerzt. Oft schauen wir auf die Ministrantenliste und sehen dort Namen, die zwar schwarz auf weiß da stehen, aber nicht mehr mit „Feuer und Flamme“ dabei sind.

Die Erfahrung zeigt jedoch: Die Befürchtungen, man hätte falsch reagiert oder die Jugendlichen seien enttäuscht, sind meist unbegründet. Im Gegenteil: Ein kurzes, wertschätzendes Gespräch, in dem die gemeinsame Zeit gewürdigt und ein guter Weg in der Kirche gewünscht wird, hinterlässt oft einen tiefen positiven Eindruck. Wer nicht klammert, sondern die Entscheidung akzeptiert, zeigt dem jungen Menschen, dass er als Person wertgeschätzt wird.

Keine Fluchttür, sondern eine Tür in den nächsten Raum

Wir müssen keine Angst haben, dass sich durch einen einfachen Austritt die Zahl der Abgänge häuft. Wer gerne Ministrant ist, bleibt es. Die „Eingangstür“ zum Dienst zeigen wir den Kindern ausführlich durch Werbung und Schnupperstunden. Doch es gibt auch einen Ausgang. Dieser muss nicht verschwiegen werden.

Die Kunst besteht darin, dass der Ausgang keine „Fluchttür“ ist, sondern eine Tür in den nächsten Raum. Die Kirchengemeinde hat viele Räume. Wenn wir den Übergang deutlich machen, verhindern wir, dass Jugendliche den Kontakt zur Gemeinde ganz verlieren.

Es gibt keinen speziellen „Erwachsenenverband“ für ehemalige Ministranten – dieser Verband ist die Pfarrgemeinde selbst. In ihr gibt es die vielfältigsten Möglichkeiten, sich zu engagieren:

  • Als Lektorin oder Kommunionhelfer
  • Im Pfarrgemeinderat oder Sachausschuss
  • Als Initiator neuer Projekte oder Betreuer der Homepage

Fazit: Prophetische Gaben nutzen

Junge Menschen nehmen oft sehr genau wahr, wie die Stimmung in einer Gemeinde ist. Wenn sie in ihrer Freiheit ernst genommen werden und auch kritisch über das Pfarrleben sprechen dürfen, wird ein Übergang gestaltbar.

Johannes Paul II. formulierte es treffend: *„Die Kirche hat der Jugend, und die Jugend der Kirche viel zu sagen.“* Nutzen wir diese prophetischen Gaben! Wenn wir statt einer Verabschiedung eine „Dankesfeier“ feiern, machen wir deutlich: Der Ministrantendienst wird zwar abgeschlossen, aber das Pfarrleben geht weiter.

Es erfordert Zeit und Herzblut, aber es lohnt sich, wenn wir jungen Menschen helfen, ihren eigenen, individuellen Platz in der Kirche zu finden.

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Winfried Brandmaier
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Martina Kohl
Referentin der Fachstelle Ministrantenpastoral
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